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24.04.2016 |

DCV-Herren beenden die WM auf Rang zwölf

Das letzte Spiel der deutschen Curling-Herren bei der WM in Basel war sinnbildlich für die Leistungen des Teams in der zweiten Turnierhälfte. Gegen das US-Team, das den Sieg für den Sprung ins Halbfinale unbedingt brauchte, war man auf Siegesspur, hatte Vorteile in der Schlussphase, aber gab den möglichen zweiten Sieg durch einen verpassten Double-Take-out mit dem letzten Stein noch aus der Hand. So endete das Abenteuer WM-Premiere für die unerfahrene Mannschaft von Bundestrainer Thomas Lips auf dem letzten Platz des Klassements.

 

Thomas Lips: „Das war ein gutes Spiel. Die Chance, am Ende mit Hammer ins Zusatz-End zu gehen war genauso da, wie für die USA, im letzten End den Zweier zu realisieren. Aber genau das ist eben noch der Unterschied. Bei uns kommt so ein schwieriger Double-Take-out noch mit geringerer Wahrscheinlichkeit als bei den anderen Teams. Und es ist auch die Erkenntnis dieser WM: Nur gut zu spielen, genügt eben noch nicht, um zu gewinnen. Wir müssen es schaffen, über uns hinaus zu wachsen. Marc Muskatewitz hat uns in dieser Partie lange im Spiel gehalten, hat Druck gemacht, aber er kann das mit seiner Erfahrung noch nicht ganz durchziehen.“
Der Bundestrainer wagte sich auch schon an ein Turnierfazit: „Klar ist der 12. Rang für uns alle eine Enttäuschung. Obwohl das unsere Weltranglistenposition widerspiegelt, haben wir uns mehr erhofft. Aber wir waren bei fast allen Spielen nicht in der Lage, über uns hinaus zu wachsen. Und das ergibt dann dieses Resultat. Das ist schon auch frustrierend, aber ich bin auch so kurz nach dem Turnier dabei, die positiven Aspekte zu sehen. Die Erfahrung hier soll und muss dem Team aufzeigen, dass das, was sie geleistet haben, noch nicht reicht für Olympia und eine WM. Die zwischenzeitliche Erkenntnis bei der EM, mit einem Sieg mehr im Halbfinale gespielt zu haben, entspricht eben nicht der Realität. Wir wollen mehr! Das muss die Schlussfolgerung sein. Mehr gute Turniere spielen, mehr gutes Eis suchen, mehr psychologisch arbeiten. Der vom Verband mit dem DOSB und BMI eingeschlagene Weg ist für mich absolut richtig! Es gibt keinen Grund, das zu hinterfragen! Das wäre falsch! Die erkennbare positive Entwicklung geht aber eben langsamer voran als wir es vielleicht erhofft haben. Es gibt ja gute Entwicklungen. Die Herren haben im Vergleich zum Vorjahr die Quali für zwei statt für kein WCT-Turnier geschafft, die Damen sogar für drei – doch das ist immer noch zu wenig. Wir hatten beide Teams bei der WM, eines mehr als 2015, auch positiv. Nur bei der WM sind wir noch nicht gut genug! Dafür müssen wir uns auf allen Positionen verbessern – und damit meine ich nicht nur die Spieler. Wir alle zusammen!“

Es fing eigentlich optimal an für die Deutschen, als ausgerechnet Routinier John Shuster im ersten End Nerven zeigte und mit einem Promotion-Take-out mit dem letzten Stein den best liegenden deutschen Stein verfehlte. Marc Muskatewitz legte einen dazu und konnte zwei Punkte auf dem Scoreboard verbuchen. Danach agierte das DCV-Team defensiv gut, gestattete Shuster in den beiden Folge-Ends keine Chance auf zwei Steine, so dass der Amerikaner zwei Nuller-Ends verursachte.
Im vierten End war dann aber ein Hit-and-Roll des jungen deutschen Skip mal ein wenig zu präzise, so dass Shuster die Chance auf ein Take-out und ein eigenes Zweierhaus nutzen konnte. Die Deutschen ließen sich aber auch von einem gestohlenen Stein der US-Amerikaner im sechsten End nicht verunsichern, sondern schlugen im siebten zurück, als vielleicht sogar die Chance auf drei Steine da war, aber weil Muskatewitz sein eigener vorletzter Stein beim Take-out-Versuch mit aus dem Haus rutschte waren es am Ende „nur“ zwei Zähler.
Doch das DCV-Team damit wieder mit dem Momentum in dieser Partie. Sie zwangen Schuster im achten End zu einem Stein, hatten damit im neunten End beim 4:4 das Recht des letzten Steins wieder für sich. Ein missglückter Double-Take-out von Baumann eröffnete Shuster die Chance richtig Druck zu machen, so dass es eines guten letzten Steins von Muskatewitz bedurfte, um zumindest mit einem Punkt aufs Scoreboard zu kommen, auch wenn damit Shuster im letzten End den Hammer bekam.
Und dann war es eben ein Ritt auf Messers Schneide, den am Ende der Routinier, der sechsfache WM- und dreifache Olympia-Teilnehmer aus den USA für sich entschied und damit den Einzug ins Halbfinale realisierte.


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